04 | 02 | 2012

SOL - Soziales Lernen


 

Das Projekt „Soziales Lernen“, kurz SOL, findet seit dem Schuljahr 1996/97 in (einigen Klassen) unserer Schule statt. Soziales Lernen ist zwar eine Forderung des Lehrplans, die alle Gegenstände betrifft, es ist aber nicht immer in den Unterrichtsalltag einbaubar, wird doch zumeist das Hauptaugenmerk auf die Sachkompetenz gerichtet. Nun liefert SOL eine einfache und klare Grundlage, die immer und überall dort angewendet werden kann, wo Gruppen miteinander lernen und arbeiten. Dabei entsteht eine Beziehungs- und Beteiligungskultur, in der sowohl jede Persönlichkeit als auch die Gemeinschaft gefördert werden.

Soziales Lernen ist dabei der Weg und das Ziel. Selbstkompetenz (das ICH) und Sozialkompetenz (das WIR) sind gleich wichtig wie die sonst hauptsächlich geförderte Sachkompetenz. Alle Teilnehmenden werden als Lernende mit unterschiedlichen Voraussetzungen gesehen, deren gemeinsames Ziel es ist, aktiv und selbstverantwortlich miteinander arbeiten zu können, sich dabei selbst zu organisieren und das Geschehen mitzubestimmen.

Das Medium dafür ist eine bewusst(gemacht)e Kommunikation, den roten Faden bilden die Teilziele (=Lernschritte) von SOL (von Dr. Ruth Mitschka ausgearbeitet):

1. sich selbst wahrnehmen, darstellen, akzeptieren

2. andere beachten, achten

3. Rückmeldungen geben und entgegennehmen

4. Regeln definieren und Konflikte bearbeiten

5. (Unter-) Gruppen bilden

6. in Gruppen arbeiten

7. die Gruppenarbeit beurteilen Wahrnehmen kommt dabei vor Handeln, Selbstkompetenz kommt vor Sachkompetenz!

In diesem Lernprozess erlebt das KlassenlehrerInnenteam ebenso wie die SOL-Klasse, dass es

# statt Vorgeben von richtigen Lösungen ein gemeinsames Suchen nach passenden Lösungen und Teilen der Verantwortung gibt,

# statt Leitung gibt es Begleitung,

# statt passiven TeilnehmerInnen gibt es aktive MitarbeiterInnen

# statt Machtgefälle oder Pseudogleichheit gibt es das Bestreben, Unterschiede zu nutzen.

Dabei werden auch die in jedem Gruppenprozess vorkommenden Entwicklungsstadien der Orientierung, Gärung und Klärung, der Produktivität und der Trennung durchlaufen. Weil SOL ein Lernen mit HERZ, HIRN und HAND ist, wird das Individuum und das Miteinander gefördert und gefordert.

Prof. Eva-Verena Kroll