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Dabei gewesen Sein oder nicht dabei gewesen Sein. Das ist die Frage.

Die Krönung der diesjährigen Theaterbesuche der unverbindlichen Übung „Literatur Live“ war am 23. Februar 2026 eine Aufführung von Shakespeares „Hamlet“ im Theater in der Josefstadt. Voller Begeisterung und Vorfreude wurde die Vorstellung dieses Literaturklassikers, der bei uns allen fester Bestandteil des Deutschunterrichts ist, von uns erwartet.

Und wir wurden nicht enttäuscht: Durch gezielte Kürzungen gerät die Welt auf der Bühne wie in einem spannenden Thriller wahrhaftig aus den Fugen, als ein einziges Verbrechen eine Serie der Gewalt ins Rollen bringt. Auf eine Intrige folgt die nächste, wobei der Zuschauer allwissend mittendrin ist. Die schlichte Gestaltung des Bühnenbilds in Kombination mit eindrucksvollen Lichteffekten lässt das düstere Geschehen lebendig werden. Insbesondere die übermenschli-che und überdimensionale Darstellung des Geists als Videoprojektion, die fast an Gollum aus „Herr der Ringe“ erinnert, bringt den Zuschauer zum Zittern und jagt dem Publikum einen Schauer über den Rücken. Gleichzeitig wird die Handlung durch einige Witze und humorvolle Momente aufgelockert sowie etwas modernisiert (Wer hätte schon gedacht, dass es ein 67-Witz in ein Shakespeare-Drama schafft?). Vor allem uns als Schüler:innen sprachen diese Elemente an und machten das Drama zugänglicher, ohne ihm die Tiefe zu nehmen.

„Hamlet“ ist eine Geschichte des Scheiterns. Sie zeigt, dass Gewalt, die mit noch mehr Gewalt vergolten wird, nur neues Leid erzeugt, das am Ende alle Beteiligten in den Abgrund stürzt. Die Inszenierung des Klassikers in der Josefstadt ist somit definitiv sehenswert und wenn Sie sie noch nicht gesehen haben, ist es hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Sie dabei gewesen sein werden.

Emily Niesner, 8B

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