Am 5. November 2025 machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der unverbindlichen Übung „Literatur live“ gemeinsam mit Frau Direktorin Wotke, Frau Professor Baumann und Herrn Professor Riedl auf den Weg ins Theater in der Josefstadt, um Arthur Schnitzlers Gesellschaftsdrama „Das weite Land“ zu sehen. Das Stück, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, bot einen Einblick in das Leben der wohlhabenden Oberschicht – eine glänzende Fassade, die innere Zerrissenheit versteckt.
Im Zentrum des Stücks stehen der Industrielle Friedrich Hofreiter und seine Frau Genia, deren Beziehung von Affären und Gerüchten erschüttert wird. So soll sich der Pianist Korsakow aus unerfüllter Liebe zu Genia das Leben genommen haben. Doch die Lage spitzt sich weiter zu, denn Hofreiter beginnt ein Verhältnis mit der jungen Erna, während Genia Otto von Aigner ihre Gefühle gesteht. Missverständnisse, verletzte Eitelkeiten und unkontrollierte Leidenschaft lassen die Situation letztendlich eskalieren. Obwohl Hofreiter selbst mehrfach die Grenzen der Treue überschritten hat, fordert er schließlich aus gekränktem Stolz Genias Liebhaber zum Duell – mit fatalen Folgen.
Schnitzler zeigt mit seinem Stück, welche Rolle Ehre, Liebe und Wahrheit im Chaos der menschlichen Gefühle spielen und welche Opfer man bereit ist, zu bringen, bloß um einen bröckelnden Schein zu wahren. Insbesondere die moderne Inszenierung des Bühnenbilds und der Kostüme haben die Parallelen zu unseren heutigen Gesellschaft verdeutlicht, wobei uns das Duell am Ende wieder ruckartig in die Vergangenheit zurückgeholt hat.
Doch egal ob im 20. oder 21. Jahrhundert, die Sehnsucht nach Freiheit, Verständnis und echter Nähe bleibt zeitlos und macht Schnitzlers „Weites Land“ auch für uns heute noch überraschend nah.
Emily Niesner, 8B
